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schrott, ein bericht

Wormser war klein, Schrott war groß, Wormser war abhängig, Schrott souverän. Wormser suchte noch einen Weg, da hatte Schrotts Karriere als Kirchenmanager längst begonnen. Um zu überleben probierte Wormser Entzug ...

Mein Name ist Wormser, Eduard Wormser. Die erweiterte Vorstellung geschieht nicht der Vollständigkeit halber, sondern will gleich das Bekenntnis erzwingen, wie ungeliebt der Rufname ist. Ich vermag indessen nicht genau zu sagen, was die Abneigung ausmacht, möglich immerhin, daß allein die Melodie nicht gefällt. Ich bin oft versucht von mir zu reden als einem ganz Anderen oder - sofern ich das Glück habe, unerkannt zu bleiben - von einem "gewissen Wormser", das bescheinigt Selbstbefremdlichkeit und Distanz. Mein Verhältnis zu mir ist unterkühlt, und die Art, wie das dahergesagt wird, mag erklären, daß ich mich nicht leiden kann. Der Name gebührt mir nicht; Schrott sagt, er erwecke viel zu leicht Assoziationen von Sanftmut oder auch Redlichkeit, beides mir unbekannte Wesenszüge. Ich bin ein unzufriedener Mensch, ein Nörgler gewissermaßen, mit allerlei Anzeichen subtilen Größenwahns, wie er nur einem psychisch deformierten Lebewesen anhaften kann. Letzteres ist mir schon oft nachgesagt worden, und ich möchte meine Energie nicht verschwenden, dem zu widersprechen. Ich neige viel eher dazu, mich (mimosenhaft) ab zufinden. Galle und Magen sind noch in Ordnung, das erstaunt.

Der Zustand meines Nervenkostüms ist nicht der allerbeste. Manchmal gerät meine Wut in Rage. In diesen Tagen beende ich mein fünfunddreißigstes Lebensjahr, was nicht mehr meint, als die Zurkenntnisnahme vergangener Zeit, das sagt schon viel ...
Ich gehöre zu jenen retardierten Erwachsenen, die mit 17 allmählich die Kinderschuhe ausziehen und mit 30 immer noch auf den Aknehügeln der Pubertät Ausschau halten nach der erhofften Persönlichkeit, die mit beiden Beinen in Leben, Beruf und Ehe steht, und es deutet vieles darauf hin, daß dieser Zustand von Dauer bleibt.

Ich leide! 

Schrott sagt, wann immer er das zu hören bekomme, könne er sich des Eindrucks nicht erwehren, daß diesem Ausruf ein eher lustvoller denn gequälter Unterton anzumerken sei, wogegen ich meinen würde, daß Leiden meine Natur bedeute oder eine Eigenschaft ist, die zu meinen natürlichsten gezählt werden kann...

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Nein, keinen FALL, dem er nicht habe helfen können; ich sei sein bislang leichtester: Mitte Dreißig, geschieden, berufslos, 'n kleiner Neurotiker, 'n bißchen depressiv, das issn Klacks, das bringen WIR hin ...

Schrott, ein Bericht, 182 S., Erstausgabe Suhrkamp Verlag 1983

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