Es scheint so einfach zu sein: Den Mann an den Herd und die Frau ins Berufsleben zu schicken, gilt für viele als ein möglicher Schritt zur Lösung der Frauenfrage. Hier berichtet ein Hausmann schonungslos von den Deformationen an Leib und Seele, welche die Hausarbeit jedem, gleich welchen Geschlechts, unerbittlich zufügt. Eine unverzichtbare Lektüre für Frauen wie Männer, aufrichtig und bissig zugleich.

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Beliebig hineingegriffen in die Fülle der Tage, einer ist wie der andere: Das Erwachen geschieht kaum noch mit Freude, das Aufstehen lohnt kaum noch, man weiß ja, was einen erwartet. Die Hausmannspflicht. Seit nunmehr fast zehn Jahren. Spielen Wetter und Jahreszeit überhaupt noch eine Rolle?

Es ist kurz nach acht.

Franziska, es wird Zeit!

Daniel, beeil dich, sonst kommst du zu spät. Und trödle auf dem Heimweg nicht wieder so herum, hörst du.

Nun geht schon!

Jetzt: Die Stille.

Die Schritte verhallen im Hof, das Hoftor schlägt zu, Franziska schaut zum Fenster hoch, winkt müde. Die Stille. Mir ist, als hätte mich das Leben verlassen. Nun sind wir wieder mal allein mit uns, Wormser, mit den Dingen, mit diesem langen, öden Vormittag, den man uns wie Müll vor die Füße gekippt hat, was jetzt beginnen? : Wie immer!

 

Mal sehn:

Inspektionsrundgang sozusagen. Sich in Schwung laufen, damit das dicke Blut dünnflüssiger wird. Irgendwo bist du ja doch ein Held, nicht wahr, denn so ein Hausmannsleben ist ziemlich riskant, um nicht zu sagen lebensgefährlich. Zahllose kleine Tode können auf einen warten. Weil eben nichts Wesentliches geschieht. Weil eigentlich gar nichts geschieht. Weil du schier zu Tode beschützt wirst von deinen vier Wänden. Weil nur leblose Dinge um dich sind. Vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer ins Arbeitszimmer ins Kinderzimmer in die Küche ins Bad. Was heißt: leblose Dinge? Was heißt: ohne Risiko? Von wegen! Das ist ein Scheinfrieden, der hier herrscht, die Ruhe ist trügerisch. Im nächsten Augenblick schon könnte die Zimmerdecke herunterklappen, dir aufs Gesicht fallen. Das Lampenkabel könnte zur Falle werden, du könntest dir dabei das Genick brechen. Alles wird möglich. So eine Wohnung hat ihre Tücken, wenn man sich erst mal in ihr festgelebt hat. Manchmal, Franziska, komme ich mir wie ein Stück Raumdekoration vor, die den Dingen nur noch den Atem voraus hat. Verstehst du das? Natürlich nicht! Wie solltest du auch? ...

SELBSTWERTBESTIMMUNG Der Hausmann ist Haushälter. Haushälter sein heißt zum Beispiel, auch mit sich selber hauszuhalten, also die eigenen Bedürfnisse auf Sparflamme zu kochen, weil die Bedürfnisse des Haushalts vorrangig zu erfüllen sind: Es ist meine Pflicht, den Dingen zu dienen, ebenso wie es Franziskas Pflicht ist, für den Unterhalt der Familie zu sorgen. So einfach ist das.

Könnte es doch so einfach sein!

Aber dann entpuppt sich dieses wohnungshafte Dasein als schleichendes Gift, das sich nach und nach, ganz unbemerkt, ausgebreitet hat, das wie ätzend auf die Seele wirkt, um allmählich jedes Gefühl für den Selbstwert aus einem herauszubrennen: Ich bin ja bloß der Hausmann ...

 

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