I

 

"Mein Name ist Wormser, Eduard Wormser. Die erweiterte Vorstellung geschieht nicht der Vollständigkeit halber, sondern will gleich das Bekenntnis erzwingen, wie ungeliebt der Rufname ist. Ich vermag indessen nicht genau zu sagen, was die Abneigung ausmacht, möglich immerhin, daß allein die Melodie nicht gefällt. Ich bin oft versucht von mir zu reden als einem ganz Anderen oder - sofern ich das Glück habe, unerkannt zu bleiben - von einem "gewissen Wormser", das bescheinigt Selbstbefremdlichkeit und Distanz. Mein Verhältnis zu mir ist unterkühlt, und die Art, wie das dahergesagt wird, mag erklären, daß ich mich nicht leiden kann. Der Name gebührt mir nicht; Schrott sagt, er erwecke viel zu leicht Assoziationen von Sanftmut oder auch Redlichkeit, beides mir unbekannte Wesenszüge. Ich bin ein unzufriedener Mensch, ein Nörgler gewissermaßen, mit allerlei Anzeichen subtilen Größenwahns, wie er nur einem psychisch deformierten Lebewesen anhaften kann. Letzteres ist mir schon oft nachgesagt worden, und ich möchte meine Energie nicht verschwenden, dem zu widersprechen. Ich neige viel eher dazu, mich (mimosenhaft) ab zufinden. Galle und Magen sind noch in Ordnung, das erstaunt..." (aus: "Schrott", 1983)

II 

"Ich verfüge zweifelsohne über ein Fluchtorgan, was eine anatomische Besonderheit darstellt. Flüchtig ist daher meine ganze Existenz, flüchtig und nicht zu fassen. Die meisten können ihr Leben an stabilen Fakten festnageln und solchermaßen dokumentieren, daß es sie gibt. Bei mir ist es, als wolle man einen Nagel in die Luft schlagen und daran meine Biographie aufhängen. Mein Leben spottet nicht nur, es entzieht sich auch jeder Beschreibung. Das Charakteristische an mir ist meine standhafte Unbeständigkeit. Und meine Beeindruckbarkeit, ja, das auch..."(Traumtänzer, 1992)

 

III

...belegbar geboren an einem vermutlich sonnigen augusttag, könnte sein gegen 17:15 mesz, behauptet einer, der es wissen könnte. Ganz sicher auf der schwäbischen alb, sagt er, freitags, nach dem krieg. Typische, aufregungslose, erinnerungsverklärte nachkriegskindheit in der stillen provinz, ging zur schule in einer zeit, da noch auf schiefertafeln geschrieben und von lehrern geprügelt wurde, bestand nachweislich die reifeprüfung, erlebte dann eine nicht zu unterschätzende verblödungsphase in der bundeswehr, daran anschließend nur mäßig erfolgreiche studienversuche (jura, psychologie, japanologie), revolutionär, versteht sich, kurzfristig freier mitarbeiter eines wochenblatts, nachweislich so um die 1975 herum schreibanfänge, lyrik zu surrealer kunst, seit 1980 freiberuflich hauptberuflich, romane, erzählungen, hörspiele geschrieben, verschiedentlich ausgezeichnet, seltener gepriesen, befehle verweigert, schrott produziert, hausmann erfunden, roßkuren auftragsgemäß durchlitten, geständnis geliefert, als traumtänzer phantasiert, reinsten terror erlebt, die morgendämmerung erfahren, das AbLeben beobachtet, um zu beschließen, später zu sterben, fehlt noch die auflösung von annas geheimnis, man wird sehen - er probiert geschichten wie kleider ....(Wormser, Materialien zur Identifizierung einer Person, 1986-2005)

IV

 

Ich bin kein unbeschriebenes Blatt!