Derzeitiges
Biografisches
Veröffentlichtes
rezensiertes
Verlinktes
Erlesenes
Hörspiel
Impressum.Kontakt

befehlsverweigerung, roman

Der Angeklagte kann aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung nicht als wehrdiensttauglich angesehen werden. Er ist ein Störer der Truppe, der die Disziplin möglicherweise stark untergraben würde ...

Ich halte mich seit Tagen nurmehr in meinem gemieteten Zimmer auf. Ich warte auf ein Geschehen. Obwohl ich hoffe, daß nichts geschieht. Nichts, was sich in meiner Ahnung bereits verfestigt hat.
Aus meiner Unruhe ist Angst geworden.
Ich kann nicht abschätzen, wie es geschieht.
Heute sind sie da: die lauten Schritte auf dem Flur, die wimmernde Stimme der Zimmerwirtin, die sich ahnungslos gibt. Sich entschuldigt. 
Jetzt fliegt die Zimmertür auf und kracht gegen die Wand.
Und vor mir stehen zwei uniformierte Personen, die sich schnell im Zimmer umsehen, ehe sie einen kalten Blick auf mich werfen. Soldaten. Feldjäger.
Der eine lockert bereits den Verschluß an seinem weißen Gürtel, in dem ein weißer Gummiknüppel hängt. 
Nun weiß ich, wie es geschieht.
Ich fühle mich plötzlich elend. Bin verkauft. Bin wütend und doch machtlos. Meine Knie zittern, der Atem will schwer durch die Kehle.
Die Feldjäger wissen, daß ihnen von mir nichts geschehen kann. Sie betrachten sich jetzt in aller Ruhe das Zimmer. Sehen sich die Plakate an den Wänden an. Guter, alter Ernesto.
Sie greifen wahllos nach Büchern, blättern sie durch. Klappen sie wieder zu. Legen sie weg. Sie nicken sich verständnisvoll zu.
Aha, sagte der eine.
Ist das Ihr Zimmer? fragt der andere.
Gemietet, sage ich.
In der Absicht, sich zu verstecken, stellt der eine Feldjäger fest, der nun in die Brusttasche greift, auf der ein Blechstern klebt, eine Art grüner Blumenkohl. Er entfaltet ein Papier. 
Jäger Rapp, sagt er.
Herr Rapp, sage ich.
Ein Haftbefehl, Herr Rapp, sagt er scharf. Sie wissen warum?
Wissen Sie das? frage ich zurück.
Nicht frech werden, schnarrt der andere, der noch immer meine Bücher betätschelt. Er kommt jetzt näher. Mir wird heiß.
Moment, sage ich und starte noch einen lahme Versuch, gehe zum Schreibtisch (die beiden folgen mir nach) und zerre ein paar Papiere heraus, die ich ihnen entgegenhalte.
Es sind meine Anträge auf Kriegsdienstverweigerung und die Schreiben an die Verwaltungsgerichte.
Wir sind nicht hier, um uns Papiere anzusehen, sagt der eine, der jetzt seinen Knüppel fester packt.
Lesen Sie, bitte, fordere ich ihn auf.
Er schüttelt den Kopf.
Es muß doch erst über meine Anträge entschieden werden, sage ich laut. Ich gehe vorher nicht mit. Ich fühle mich nicht als Soldat. Ich bin keiner.

zurück

Inhalte

Mit Wirkung vom 31. August entlasse ich den Wehrpflichtigen Franz Rapp unehrenhaft aus der Bundeswehr. Gez. der kommandierende General

Befehlsverweigerung, Roman, 135 S., Erstausgabe éd. trèves, 1979

Bestellinfo

zurück